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Erinnern, Spurensuche und Gedenken 20. Pilgerstammtisch zum jüdischen Tag in der Alten Synagoge in Hechingen mit Stadtführerin Johanna Werner ein einmaliges Erlebnis - 10. November 2013 Vor genau einem Jahr war die Hohenzollerische Jakobusgesellschaft zu Gast in der Hechinger Moschee, nun setzte sie den Beginn des interreligiösen und interkulturellen Dialogs, der ein Zeichen der Toleranz und der Verständigung ist, mit einem sonntäglichen Besuch in der Alten Synagoge fort, indem Stadtführerin Johanna Werner mit ihrem Charisma die Teilnehmer in ihren Bann zog.
Just an diesem Tag jährte sich die Pogromnacht zum 75. Mal, in dieser Nacht wurde auch die Hechinger Synagoge verwüstet und die Pogrome gegen jüdische Mitbürger begannen. Bei der Begrüßung in der Alten Synagoge in der Goldschmiedstraße ging Vorsitzender Hannes Reis vor rund 35 Teilnehmern auf das „Erinnern gegen das Vergessen“ kurz ein und zitierte neben anderen Bundespräsident Joachim Gauck, der zu mehr Zivilcourage aufrief: „Wir müssen uns selber daran hindern wegzuschauen, wann immer und wo immer dies geschieht.“ Reis schloss mit einem jüdischen Zitat des Religionsphilosophen und Dialogführers Martin Buber: „Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand…“, und wie Martin Buber das so schön schilderte, nahm auch Johanna Werner die Gäste an die Hand und zitierte gleich zu Beginn einen Augenzeugen, nämlich den jüdischen Mitbürger Karl Hamburger, der vom Fenster des Israelitischen Schul- und Gemeindehauses in Hechingen die Vorgänge in jener Nacht eindrücklich schilderte. Die Stadtführerin führte unter anderem auf, dass die Zertrümmerung des Toraschreines, des „Allerheiligsten“, mit den heiligen Schriftrollen ein barbarisches Vorgehen bedeutete und nur den eng angebauten Häusern in der Goldschmied-/Synagogenstraße war es zu verdanken, dass eine Brandstiftung unterblieb, da ein Übergreifen der Flammen befürchtet werden musste.
Sie fragte auch in ihrer unnachahmlichen Art und Weise „Wo sind die 13 Torarollen geblieben, sind sie verschollen?“ Immer wieder verstand es Johanna Werner die beklemmenden Ausführungen mit kleinen Anekdoten zu verknüpfen, die eher ein Schmunzeln bei den Gästen verursachten, aber das zutiefst dieses diskriminierende Verhalten hervorhob. Am selben Tag wurden acht Hechinger Juden verhaftet, ins Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert und später ins Konzentrationslager Dachau gebracht, nämlich Edmund Eppstein, Ernst Grumbacher, Otto Hofheimer, Karl Levi, Kurt Model, Leon Schmalzbach, der auch Rabbinerverweser war, Harry Weil und Dr. Moritz Meyer. Johanna Werner zeigte in aller Deutlichkeit auf, wie der Begriff „Kristallnacht“ zu einer Verharmlosung führte, er verschleierte die schreckliche Bilanz des Pogroms. Reihum gingen Bilder von Leon Schmalzbach, Dr. Samuel Mayer, Carl Löwengard, Paul Levi, Dr. Ernst Rosenfeld, der in einem kleinen Lageraum bei der Witwe Maria Kalbacher bis zum Einmarsch der Franzosen am 25. April 1945 versteckt gehalten war, von Madame Kaulla und Jakob Kaulla, zwei ganz reichen jüdischen Mitbürgern Hechingens, von Elsa Einstein, der zweiten Frau „des Albertle“, gemeint war der große Philosoph Albert Einstein, wie Johanna Werner es charmant ausdrückte. Zu jedem Bild gab es eine eigene Geschichte zu erzählen, was die Zuhörer in Atem hielt, so authentisch wurde berichtet. Johanna Werner sprach von der Wiedereröffnung der Alten Synagoge im Jahre 1986, bei der ehemalige jüdische Mitbürger zu gegen waren und Grete Model ausrief: „Oh, dass ist ja genau so schön geworden, wie damals…“ Dem polnischen Künstler Marek Leszcynski, der der Synagoge den künstlerischen Gehalt verschaffte, war dies letztendlich zu verdanken. Man könnte noch so viel schreiben, was Johanna Werner an diesem Nachmittag aufführte, auch als man auf der Emporenbrüstung stand und sie unter anderem ausführte, dass beim Verlassen des Hauses die am Türrahmen befestigte „Mesusah“ berührte wurde, welch großartige hebräische Handschrift, die bis ins Mittelalter zurück geht.
Da sich das Wetter am vergangenen Sonntag etwas gebessert hatte, begaben sich die Teilnehmer zu einer kurzen Stadtführung, die in der Synagogenstraße begann, wo ein Stahlband zu sehen war. Auf ihm ist die letzte Strophe von Hyperions Schicksalslied eingelassen „Doch ist uns gegeben…“, dass vom deutschen Dichter Friedrich Hölderlin geschrieben wurde.
„Jüdisches Hechingen“ fand dann noch Erwähnung, als man vor dem Relief zur Geschichte der Juden auf der Säule des Brunnens vor dem Hechinger Rathaus stand und Johanna Werner zum Abschluss des jüdischen Tages Ausführungen machte. Hannes Reis bedankte sich mit einer Jakobsmuschel sowie einem Pilgerausweis bei der Stadtführerin. Ein Teilnehmer sagte zum Schluss: „Dieser Tag wir mir unvergesslich bleiben!“
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Weitere Fotos und Erklärungen von der Alten Synagoge auch auf www.hechingen4you, |
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