ZollerCoverPage0811

17. Pilgerstammtisch am Sonntag, 18. November 2012 - Süleymaniye Moschee in Hechingen

Interreligiöser und interkultureller Dialog

Fragen und Gesprächsrunde
Leitmotiv: “Kein Weltfriede ohne Religionsfriede Kein Religionsfriede ohne interreligiösem Dialog.”
(Hans Küng, Weltethos)

17pilgerstamm1112-01a

Terminabsprache im Vorfeld

Moschee_HCH_01

Um ca. 13.20 Uhr Treffen vor der Moschee

Moschee_HCH_02

Horst Bendix, der Vorsitzende der Hohenzollerischen Jakobusgesellschaft rechts neben dem Empfangskomitee der muslimischen Gemeinde in Hechingen - von rechts: Jugendreferent Semih Akkaya, Imam Servet Mercan und der stellvertretende Vorsitzende Kadir Özkan.

Moschee_HCH_03

Der Gebetsraum im ersten Stock - ein Juwel. Die Wände mit blau-weißen Kacheln geschmückt, oben im Zentrum eine schön gestaltete Kuppel mit einem Kristallleuchter. Links das Pult des islamischen Gelehrten. In der Mitte die Gebetsnische, die Nach Mekka zeigt. Rechts in der Ecke die Predigtkanzel.

Moschee_HCH_04

Herr Servet Mercan, der Imam der Moschee, ist der Islamgelehrte und Vorbeter, hier mit Mantel und Hut. Er hat in der Türkei studiert und predigt in türkisch und arabisch. Dieses Studium gibt es nun auch in Deutschland, und diese Absolventen werden zukünftig auch in deutsch predigen und lehren.

Moschee_HCH_05

Die Predigtkanzel wird nur zu besonderen Anlässen benutzt. In großen Moscheen ermöglicht sie, dass der Prediger von allen gesehen und besser gehört wird.

Moschee_HCH_06a

Zwei Gemeindemitglieder demonstrierten uns anschaulich, wie zum Gebet gerufen wird und wie das individuelle Gebet abläuft. Herr Semih Akkaya, unser Moscheeführer, erklärte uns die Moschee, den Gebetsruf und das Gebet. Der obere Stock mit dem Gebetsraum darf nur ohne Schuhe in Strümpfen betreten werden.

Moschee_HCH_07

Die prächtige Kuppel über der Mitte des Gebetraums, im Zentrum kalligraphische Verse aus dem Koran.

Moschee_HCH_08

Ausschnitt aus der Wanddekoration. Der Islam kennt keine bildhaften Darstellungen von Allah oder Mohamed. Dafür findet man häufig blumenhafte Verziehrungen, die ein Sinnbild für das Paradies sind.

Moschee_HCH_09

Der obere Bereich der Gebetsnische mit Versen aus dem Koran, dem heiligen Buch aller Muslime. Die Gebetsnische heißt Mirhab und gibt die Gebetsrichtung, Quibla, an. Alle Muslime der Welt beten in Richtung Mekka, dem Geburtsort Mohameds und dem Standort der Kaba, dem größten Heiligtum der muslimischen Welt.

Moschee_HCH_10

Im Erdgeschoss befinden sich der Gemeinderaum und eine Küche. Hier fand das Gespräch und der interreligiöse Dialog statt, eingeführt und moderiert von Hannes Reis, der diesen Besuch organisiert hat.
Die Frauen der islamischen Gemeinde haben türkischen Tee, Snacks und Süßigkeiten vorbereitet, die von allen sehr genossen wurden.

Moschee_HCH_11

Der Dachverband der Hechinger Islamischen Gemeinde ist die “Türkisch-Islamische Union” mit Sitz in Köln. In der Mitte Imam Servet Mercan, der noch nicht so gut deutsch spricht. Herr Semih Akkaya fungierte als Dolmetscher (ganz rechts), Herr Kadir Özkan (stehend), der stellvertretende Vorsitzende, war dabei behilflich.

Hannes Reis (links) gab eine interessante Einführung zum Thema “Interreligiöser Dialog”. Seine Ausführungen sind hier nachzulesen:

Zum besseren Verständnis des Korans empfahl er auch ein Interview mit einem Islamgelehrten aus “Der Zeit” vom 4. Okt. 2012.

Die Hechinger Sülemaniye Moschee und der Islam

Viel beachteter interreligiöser Dialog mit rund 50 Teilnehmern in der Hechinger Moschee in einer multikulturellen Gesellschaft

Ein außergewöhnliches Interesse hatte der Hechinger Moscheebesuch, von der Hohenzollerischen Jakobusgesellschaft sowie dem Vorsteher der Muslime Mehmet Ali Sarmusak organisiert und vorbereitet, mit interreligiösem Dialog am vergangenen Sonntagnachmittag, wo sage und schreibe rund 50 Teilnehmer zu verzeichnen waren.

Der junge Moscheeführer Semih Akkaya und der Imam Servet Mercan führten kompetent durch die Räume der Sülemaniye Moschee, erklärten die religiösen Rituale und Grundlagen des Islam und gaben anschließend im großen Saal der Moschee erschöpfend Auskunft über das religiöse Leben, wobei türkische Frauen türkische Spezialitäten servierten, denen man genüsslich zusprach.

Vor Eintritt mussten die Teilnehmer ihre Schuhe ausziehen, die Strümpfe durften anbehalten werden, da man sich, wie es der Islam vorschreibt, im Gebet niederwirft und die Stirn auf den Boden legt, muss die Moschee von allem sauber sein, erklärte der junge Student Semih Akkaya. Im Übrigen sei die Moschee ein Ort der Zusammenkunft, Versammlung und Platz der Niederwerfung, so wurde erklärt.

Man war nicht nur erstaunt über die Gebetsnische, die sich ganz vorne und zentral in Richtung zur Kaaba in Mekka befand, sondern über das ganze Ambiente. Die Moschee dient, wie Semih Akkay erklärte, als soziales, kulturelles, wissenschaftliches, pädagogisches und religiöses Zentrum, wo besonders die Kuppel im architektonischen Stil in halbförmigem Stil mit Fresken bemalt mit einem wunderschönen Aussehen und hervorragender Akustik alle in Bann hielt. Der Moscheeführer erklärte die einzelnen Objekte wie zum Beispiel den Lehrstuhl, die Gebetsnische und die Predigtkanzel.

Symbolisch wurde die Vorführung der rituellen Waschung gezeigt und darauf verwiesen, das man Hände, Gesicht, die Arme bis zu den Ellenbogen und Füße bis zu den Knöcheln wäscht und sich innerlich vorbereitet. Die Muslime fühlen sich, wie Semih Akkay erklärte, nach er Waschung erleichtert und gewinnen so an innerer Ruhe.

In einer weiteren Stufe wurde das mystische Gebet zu Gott erklärt, wobei die Vorführung des Gebetes inklusive deren Bedeutung der einzelnen Schritte aufmerksam verfolgt wurde. Der Gebetsruf sei das Symbol, das den Anfang der Gebetszeit ankündigt, er habe einen Stellenwert wie das Glockenläuten der Kirchen, wie Semih Akkya hinwies. Man richte sich im Gebet immer in Richtung Mekka, wo das Heiligtum, die Kaaba, verehrt werde.

Anhand von Impulstexten von Ephraim Lessing aus „Nathan der Weise“, von Hans Küng aus seinem Projekt „Weltethos“ und von der Friedenskonferenz unter Leitung von Papst Benedikt XVI. in Assisi bis zum islamischen Theologen und Buchautor Mouhanad Kohriche eröffnete und leitete Vorstandsmitglied Hannes Reis im großen Saal vor 70 Teilnehmern den interreligiösen Dialog ein.

Der Fragenaustausch hinsichtlich der Religionen mit teils theologischem Inhalt war sehr rege. Es wurden dabei Dinge gestreift und angesprochen wie zum Beispiel soziale, politische und kulturelle Aspekte. Es wurde dabei festgestellt, dass der Dialog unter den verschiedenen Religionen gefördert und vertreten wird, auch von islamischer Seite, wie der Imam Servet Mercan andeutete. Dabei trat deutlich zutage, dass die beiden Religionen sehr viele Parallelen aufweisen, dass Glaube an einen Gott und der Frieden auf Erden von beiden Religionen gefördert und vertreten werden. Die Nächstenliebe, das untermauerten Semih Akkaya und Servet Mercan, egal welcher Religion, Nationalität oder Kultur, werden von beiden Religionen stark gefördert.

Das Fazit und Resümee an diesem Nachmittag war bei allen Teilnehmern durchweg positiv und der Dank von Hannes Reis und den islamischen Gastgebern war geprägt von Zuneigung und Respekt mit dem Wunsch den begonnenen Dialog „der Besonnenen“ fortzusetzen. Hannes Reis überreichte stellvertretend Frau Duna für das leibliche Wohl ein Blumengebinde und schloss die äußerst fruchtbare Begegnung mit dem Tagesspruch aus dem Koran: „Was immer du auf Erden verschenkst, es wird dich in den Himmel begleiten.“

Für 2013 plant die h-jg einen Besuch in der Alten Hechinger Synagoge. Erste positive Kontakte wurden bereits mit dem Verantwortlichen des Synagogenvereins geknüpft. Dr. Karl-Heinz Schäfer machte sich zum Sprecher aller Teilnehmer, lobte insbesondere den interreligiösen Dialog aufs Beste und die ausgleichende Atmosphäre. (Bericht von Horst Bendix)