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Gemeinschaft und Auftanken der Seele

Pilgerausflug und Winterwanderung am 24. und 25. Januar 2015

Hohenzollerische Jakobusgesellschaft auf geheimen Wegen hinter den Klostermauern, und in Biberach reflektierte Karin Ilg die Stadtgeschichte

„Mögest Du glücklich sein gerade heute an diesem ganz normalen Tag und das Besondere erkennen, das kleine Geschenk“, wurde eingangs der zweitägigen Pilgerreise ins Oberland allen Teilnehmern bewusst, als Pater Heinrich Mayer in seine Privaträume im Kloster Schemmerhofen einlud, denn der klassische Seelsorger mit rheinischem Dialekt hatte viel zu zeigen, und sogar eine Wallfahrtskirche, zu der jedes Jahr eine Menge Leute pilgern.

„Alles muss gewagt werden“, steht auf der Agenda des Oblatenordens, zu der neben Pater Alfred auch die Patres Heinrich Mayer und Gabele Meindl gehören, und der leutselige Pater Mayer begleitete die Gruppe aus dem Schwäbischen auf der Exkursion „Hinter die Klostermauern.“

„So etwas, ist mir in meinem ganzen Leben noch nie passiert, dass wir sogar ins Schlafzimmer der Patres blicken konnten“, sagte ein verblüffter Pilger, als man sich im Kloster umsehen durfte bis in die Küche und den Entspannungszimmern.

Doch zuvor machte H. Heyes auf die Wallfahrtskirche „Aufhofener Käppele“ aufmerksam und zeigte die wahren Schätze, als zu Beginn der Führung in der Schwabenkapelle zur Eröffnung der Wallfahrtsort und das Oblatenkloster näher gebracht wurden. „Damit der Blick auf unsere Wurzeln geht“ beschäftigte sich Pater Mayer mit dem Leben der Oblaten in Oberschwaben, die im Kloster beheimatet sind, und das am Tisch in den Privaträumen des Ordens.

Latein wurde nebenher aufgefrischt, als Pater Mayer, der fast ein ganzes Leben lang an Gymnasien, dieses Fach unterrichtete, Fragen stellte und sie zu beantworten wusste. Wirklich gastlich war der Abend im „Adler“ in Äpfingen, wo man den vollen Tag ausklingen ließ und sich zu Bett legte.

Am anderen Tag wartete eine weitere Überraschung im oberschwäbischen Biberach: „Sind sie die Pilgergruppe aus dem hohenzollerischen Hechingen?“, fragte Stadtführerin Karin Ilg, die auch einmal am Hechinger Gymnasium unterrichtete. Welch ein Zufall! Mit ihr hatte die Pilgergruppe eine wahre und profunde Geschichtskennerin an der Hand, die ihre Exkursion mit echtem „schwäbisch“ am Hospital/Museum begann.

Biberach an der Riss ist eine Stadt mit jahrhunderte langer Geschichte, Märkten und Türmen sowie prächtigen Kaufmannshäusern, die Karin Ilg hervorragend darzustellen vermochte, und man lernte die ehemalige Reichsstadt von einer ganz anderen Seite kennen mit ihren historischen Winkeln und verborgenen Schätzen.

Man wurde geradezu konfrontiert mit dem größten Sohn Biberachs, mit Christoph Martin Wieland (1733 bis 1813), der seine Kindheit in Biberach verbrachte, bevor er mit 14 Jahren in ein Internat geschickt wurde. So lebendig wie Karin Ilg als Stadtführerin vorging, so lebhaft waren ihre Ausführungen über das alte Rathaus, über Marktplatz und Gigelberg, über weißer Turm oder über die Stadtpfarrkirche St. Martin und über den Weberberg, um nur einmal in aller Kürze die Sehenswürdigkeiten aufzuzählen.

Am Marktplatz steht das mächtige Haus „Kleeblatt“ und aus Spenden finanziert wurde die vom Bildhauer Peter Lenk geschaffene Skulptur des Esels. Im Eselsrelief ist Wielands „Prozess um des Esels Schatten“ verkörpert, dies und mehr überlagerte die einmalige Stadtführung.

Es war geradezu eine Lehr- und Sternstunde für die Hechinger, die den historischen Hingucker in Biberachs Stadtmitte in vollen Zügen in sich aufsogen. Im Stadtcafé versammelten sich noch einmal die Hohenzollernpilger, ehe es mit den Pkw wieder in schwäbische Gefilde zurückging.

Ein wahrlich kleines Geschenk war diese kunsthistorische Begebenheit am vergangenen Wochenende mit Menschen „wie Du und ich“!

Bericht: Horst Bendix
Photos: Horst Bendix, Hannes reis
 

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