![]() |
|||||||||||
|
Goldener Oktober in Sindelfingen Ein Dutzend Jakobspilger begrüßte Hannes Reis vor der Stadthalle in Sindelfingen mit folgendem Vademecum (Geh mit mir!) von Anselm Grün, das er an die Teilnehmer verteilte: 19. Pilgerstammtisch in Sindelfingen am 26.10.2013
„Der Oktober hat eine eigene Qualittät. Der Herbst setzt sich in der Natur
Er bedankte sich herzlich bei Ilse Zimmer, der Organisatorin des Sindelfinger Pilgerstammtisches, die die Pilgerfreunde mit einem Sindelfinger Stadtflyer nebst süßem Proviantstückchen willkommen hieß. Sie nahm die Pilgergruppe mit auf einen herrlichen, geschichtsträchtigen Rundgang durch den nahen bunten, sonnendurchfluteten Stadtwald. An markanten alten Marksteinen und Marksteinzeugen zeigte sie die alten Grenzen des Sindelfinger Stadtwaldes auf.
Die Marktsteinzeugen bestehen aus Kohlen, Scherben, zerschlagenen Ziegeln sozusagen als Fundament der Grenzsteine und sicherten deren Standort bei deren versehentlicher oder absichtlicher Entfernung. Im Sommerhofental führte Ilse Zimmer die Gruppe in das Gebiet der Brunnenstuben (gefasste Quellen), die im Jahre 1558 über Teuchel, hölzerne Wasserleitungen, in frostsicherer Tiefe das Trinkwasser über 3 km Länge bis zum Marktbrunnen führten.
Eine außergewöhnliche Pionierleistung im Mittelalter. Im Sommerhofen-park konnte man funktionstüchtige Teuchel besichtigen. Durch das ehemalige Landesgartenschaugelände (1990) ging es zurück zum Chorherrenstift der Augustiner, nicht ohne sich beiläufig über diverse Pilgererfahrungen auszutauschen. Vor der imposanten romanischen St. Martinskirche erwartete Herr Rühle, pensonierter Architekt und Stiftungsmitglied, die Pilgerfreunde zu einer Kirchenführung durch das älteste Sindelfinger Bauzeugnis. Auf dem Kirchenvorplatz beeindruckte die Pilger eine moderne Skulpturengruppe, die St. Martin auf Augenhöhe mit einem Bettler, seinen Mantel teilend, zeigt. - nicht wie üblich hoch-erhaben auf einem Pferd.
Eine starke Geste der Barmherzigkeit, die sehr an den jetzigen Papst Franziskus erinnert, wie zuletzt auf Lampedusa.
Im 11. und 12. Jh. wurde die Martinskirche als Mittelpunkt eines Chorherrenstifts erbaut. Die Chorherren waren Weltgeistliche, deren Lebensführung nicht so streng geregelt war wie die der Mönche. Das Chorherrenstift spielte 1477 eine entscheidende Rolle bei der Gründung der Tübinger Universität durch Graf Eberhard und seiner Mutter Mechthild, als sie kurzerhand das Sindelfinger Stift nach Tübingen verlegten. Detailliert erläuterte Herr Rühle die facettenreiche Baugeschichte, in der auch italienische Einflüsse wie der früher freistehende, campanileartige Turm, ihre Spuren hinterließen. Die reichen Beschläge an den Türflügeln des Westportals weisen auf eine frühere Gerichtsstätte hin.
Der Kircheninnenraum beruhigt durch die einfache archetektonische Klarheit (Romanik), die erhabenen Pfeilerarkaden und die darauf ruhende hölzerne Flachdecke - eine der ältesten in Baden-Württemberg erhaltenen - die auf das Fällungsjahr 1131 (dendrologische Unter-suchung) zu daterien ist.
Renovierungen des 19. und 20. Jahrhunderts entfernten alle nach-romansichen Bauteile und Zutaten, so dass sich dem heutigen Besucher einer der schönsten romanischen Kirchenräume im weiten Umkreis bieten.
Für Kirchenkonzerte bietet die Kirche nicht zuletzt im zu Ende gehenden 750 jährigen Stadtjubiläum einen herausragenden Klangraum. Die mächtige Orgel zeugt davon.
Zum krönenden Abschluss entführte Herr Rühle die Pilgergruppe in die herrlich renovierte Sakristei, in der ein kunstvoll gebauter Bücherschrank historische in Schweinsleder gebundene Kirchenbücher barg.
Nach dieser hochinteressanten Kirchenführung bei eher kühlen Temperaturen genossen die Pilgerfreunde die wärmende Oktobersonne auf dem Weg vorbei am Parksee zum gemütlichen Abchluss im Restaurant der Stadthalle.
Ein besonderer Dank für diesen unnvegesslichen Tag gilt Ilse Zimmer. Gefreut haben wir uns über Irmgard aus Dagersheim, die dank unserer Homepage zu uns gefunden hat. Nach dem Pilgerstammtisch ist vor dem Pilgerstammtisch: der nächste am Sonntag, 10. Oktober 2013 in Hechingen mit dem Thema „Alte Synagoge und auf den Spuren der Hechinger Juden“ (s. separate Ausschreibung, Einladung) Hannes Reis, 27.10.2013
|